Der Ruf nach Bürokratieabbau ist unüberhörbar

Jetzt sollten Taten folgen, doch es tut sich nichts! Beispiel gefällig?

Jetzt sollten Taten folgen, doch es tut sich nichts! Beispiel gefällig?

Die deutsche Wirtschaft leidet an einer vollkommen überbordenden Bürokratie, die in den letzten Jahren dazu geführt hat, dass sowohl im Baugewerbe als auch bei den Industrie- und sonstigen Handwerkbetrieben jegliche Entwicklungsprozesse gehemmt werden. Oft wird dabei die Regelungswut der Europäischen Behörden in Brüssel ins Feld geführt, doch auch gerade die deutschen Gesetze und Verordnungen treiben die tollsten Blüten.

Seit Einführung der digitalen Technik war ursprünglich die Hoffnung verbunden, dass alles schneller, besser und kostengünstiger wird. Das Gegenteil ist eingetreten.

Am Beispiel eines laufenden Bauvorhabens im Ort wird dieser „Wildwuchs“ sehr deutlich:

Im Klosterbereich wird derzeit vom Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg der Fürstenbau für die Landesmusikakademie für die musizierende Jugend saniert und zu einem Zweck- und Wohngebäude umgebaut. Der Kostenaufwand hierfür beträgt lt. eigener Pressemitteilung rd. 15.9 Mio Euro, die aus Landesmitteln des Staatshaushalts BW bereitgestellt werden (lt. Bautafel). Wird die Honorartafel der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) zugrunde gelegt, dann betragen allein die Planungskosten für diesen Umbau über drei Mio Euro.
Auf dieser Bautafel sind auch alle beteiligten Ingenieur- und Planungsbüro (Planungs- und Baubeteiligte) aufgeführt; es sind sage und schreibe 17 Büros an der Zahl, die bei diesem Projekt eingebunden sind. Es sind dies:

  • Architekt: Beer-Bembe-Dellinger,  Greifenberg
  • Tragwerksplanung: Dr. Schutz, Kempten
  • Planung ELT und Fördertechnik: Sulzer, Vogt
  • Planung HLS: Fischer, Biberach
  • Planung MSR: Sprenger, Ravensburg
  • Brandschutz: Kludt, Stuttgart
  • Bauforschung:  Uetz, Vogt
  • Vermessung: 3 D-Welt, Amtzell
  • Artenschutz: Irg, Schwendi
  • Untersuchung Stuckdecken: Amann, Weißenhorn
  • Untersuchung historische Holzelemente: Frei, Kißlegg
  • Schadstoffuntersuchung: Dekra, Stuttgart
  • Archäologie: IKU-Institut Rottenburg
  • Arbeit- und Sicherheitsplan: Boden- und Grundwasser Allgäu, Sonthofen
  • Bodengutachter: GeoBüro, Ulm
  • Bauphysik: Müller-BBM, Planegg
  • Sigeko: Secum, Kempten

Diesem Planungsdienstleister-Konglomerat stehen gerade mal 12 Baufirmen gegenüber, die die einzelnen Baugewerke dann erledigen.

Diese Auflistung zeigt, wie kleinkariert und in einem Wasserkopf summiert die planerischen Verantwortungsbereiche aufgeteilt sind. Dies alles ist aber auch ein Zeichen dafür, dass sich niemand mehr etwas zutraut und die Verantwortung möglichst geringgehalten und auf vielen Schultern verteilt wird. Da braucht man sich nicht wundern, wenn bei uns auf dem Bausektor fast nichts mehr geht oder nur noch unter erschwerten Bedingungen.  Und alles wird dann zusätzlich noch mit einer Vielzahl an Gutachten begleitet.

Von einem „Bau-Turbo“ – wie heutzutage immer wieder propagiert wird – kann hier wirklich nicht die Rede sein. Hätten die damaligen Klosterverantwortlichen vor mehr als 350 Jahren, als der Fürstenbau im Jahre 1667 ohne Liebherr-Kran, ohne Liebherr-Baumaschinen, ohne Alu-Steckgerüst und ohne PC errichtet wurde, auch so geplant, dann wäre der Bau sicher bis heute noch nicht fertiggestellt.

Wenn es bei uns im Land wieder aufwärtsgehen soll, dann muss dieser Verantwortungs-und Verschiebebahnhof abgebaut, die Bürokratie total verschlankt und auf den Normalzustand – also vom Kopf auf die Füße – gestellt werden. Hier ist dringender Handlungsbedarf geboten und Handeln angesagt!

Festzustellen ist in diesem Zusammenhang selbstverständlich die Tatsache, dass dieses Projekt mit all seine Facetten nicht der örtlichen Akademieleitung anzulasten ist, sondern Herr des Verfahrens ist das Amt für Vermögen und Bau Baden-Württemberg.